Lernerfolg oder Kostenoptimum . 12.06.16

Eine Sichtweise die erfreulicherweise bereits weiter verbreitet ist, jedoch oftmals durch Kostenoptimierung kontkariert wird. Die Aufgabe der Mitarbeiterentwicklung gehört unmittelbar zu den Führungsaufgaben, wird aber oftmals an Dritte (Personalentwickler, Steuerer) delegiert. Die müssen dann ihre Erfolge ebenso monetär repräsentieren wie jede andere im Unternehmen. Eine der Erfolgsdefinition ist vielfach die kostengünstigste Variante für Weiterbildung zu finden eine andere ist Menge statt Qualität.

Folgende Beobachtungen rund ums Thema Weiterbildung kann ich bemerken:

Das Lernen ist wichtig alle zusätzlichen Kosten sind Ballast und daher wegzulassen - für Luxus sollten doch die Mitarbeiter selbst aufkommen. Daher sparen wir bei allem was nicht zum Lernen dazugehört.

Das Unternehmen zahlt den Trainer, alles andere ist vom Mitarbeiter einzubringen schließlich wird Ihm ja das Wissen geschenkt. Eine überaus interessante Ansicht, denn der unmittelbare Nutzer der Kenntnisse ist doch wohl das Unternehmen.

Reisekosten und Unterbringung sind Zusatzkosten die gering zu halten sind.

Unterlagen und Material sind vom Trainer und Institut beizubringen - bei den Tagsätzen ist das ja vorauszusetzten.

Alle Optimierungen verfehlen ihre Wirkung komplett, denn die Botschaft ist immer die Gleiche - "Wie kommt das Unternehmen mit geringsten Aufwand zu mehr Nutzung". Eine legitime Überlegeung, jedoch im menschlichen System sehr zerstörerisch. Weiterbildung als Kostenfaktor zu betrachten erzeugt, dass sie mit der Brille des Controllers effizienter gemacht werden muss. Effizienter heißt, es wird zwar die Notwendigkeit von Weiterbildung gesehen aber es werden alle Kosten die nicht zum Kern der Sache gehören optimiert – spricht weggelassen.

Nun aus Sicht der Wirksamkeit von Bildungsmaßnahmen kann ich als Erwachsenenbildner wahrnehmen, dass viele Aspekte für den Erfolg wichtig sind. Die wichtigsten dabei sind:

  • Die effektive Vorbereitung und die Entsendung mit Lernzielvereinbarung.
  • Der passende und erfahrene Trainer und
  • Die optimalen Bedingungen am Lernort sind einige der Kernelemente.

Greifen wir nun den ersten Punkt heraus so diese mit ohne zusätzliche Kosten, jedoch mit Fachkompetenz und Sorgfalt, gut zu bewerkstelligen. Die Auswahl des Trainers und Bedingung Lernort unterliegt, dann schon vielfach den Paradigmen der straffen Kostenoptimierung. Da wird dann um jeden Euro gefeilscht und die Einkäufer sichern ihren Erfolg indem der Angebots- deutlich unter dem Einkaufspreis liegt

Offensichtlich völlig außer Acht gelassen wird, dass bei jedem Seminar die Opportunitätskosten – spricht jene Kosten die entstehen weil Mitarbeiter unproduktiv bezahlt werden – bei weitem höher sind als die aktiven Weiterbildungskosten. Einen günstigen Trainer und die billigste Variante der Seminarumsetzung gefährend jedoch den Erfolg einer Maßnahme.

Aus der Investmentsicht sind völlig andere Überlegungen anzustellen, nämlich wie hole ich den größten Nutzen aus der eingesetzten Investition - sprich den höchsten Transferwert - heraus.

Daraus folgt, dass die besten Mittel für Seminare zu Verfügung zu stellen sind. Diese sind gute Trainer (die haben ihren Preis) und optimale Bedingungen am Lernort. Der Lernort bei Seminare ist dabei besonder wichtig und sorgfältig zu wählen. Fachseminare sind vorzugsweise in passenden Lernstätten, Labors oder speziellen Simulatoren die Persönlichkeits- und Verhaltensseminare finden am besten in einem guten Seminarhotel statt.

Leider gibt es nur sehr wenige echte Seminarhotels. Ein ausgezeichnetes Seminarhotel stellt den Seminarbetreib in den Mittelpunkt seiner Geschäftstätigkeit. Sie berücksichtigen die speziellen Bedürfnisse der Teilnehmer und sind eingestellt auf den Seminarbetrieb. Aus meiner Sicht, der Sicht des Trainers, sind neben Raum und Ambiente technische Dinge wie gute Stühle, funktionierende Medien (Deckenbeamer, Medienschrank usw.) und bewegliche einfach zu handhabende Flipchartständer und Pinnwände sowie genügend Platz zum Aufhängen von Lernergebnissen besonders wichtig.

Die Weiterbildungslandschaft ist sehr bunt und weit gefasst. Aus meiner Sicht wird dabei jedoch jährlich ein riesiges Kapital vernichtet weil die Planung und Umsetzung den üblichen Paradigmen von Sparsamkeit oder Aktionitis folgen. Weniger zu beobachten ist konstruktive Planung und optimaler Mitteleinsatz. Fast nie zu beobachten ist optimale Evaluierung oder gar Kennzahlensystem zum Thema.